Abgeltungssteuer Definition
Informationen zur Abgeltungsteuer

Seit dem 1.Januar 2009 mussten sich die deutschen Steuerzahler an den Namen einer neuen Abgabe gewöhnen:

Die Abgeltungssteuer. Tatsächlich ist dies bis heute mehr schlecht als recht gelungen:

Die meisten Privatpersonen kennen die Namen oder die Bedeutung der Abgabe nicht. Die bittere Konsequenz: Sie zahlen mehr Steuern als sie müssten. Böse Zungen sagen, dass dies aber auch exakt so gewollt war.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist die Abgeltungssteuer?
  2. Zusammenhang der Abgeltungssteuer undFreibetragKirchensteuerKapitalertragsteuerInvestmentfondsausschüttende Fondsthesaurierende FondsAktienLebensversicherungSteuererklärung
  3. Abgeltungssteuer in der PraxisHöheUmgehenRechnerBerechnen

Definition Abgeltungssteuer

Was ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer ist die Kapitalertragssteuer für private Anleger.

Dies bedeutet, die Abgabe wird bei allen Kapitalgeschäften fällig, bei denen ein Mehrwert (Gewinn) erwirtschaftet wird. Der einfachste Fall sind die Zinsen, die einem eigenen Sparkonto gutgeschrieben werden.

Die Abgabe ist eine Quellensteuer. Dies hat für den Steuerpflichtigen einen Vor- und einen Nachteil:

Positiv für ihn ist, dass er sich nicht selbst darum kümmern muss, die Abgabe weiterzuleiten. Die regelt das Geldhaus oder der Fonds, bei dem die Kapitalgeschäfte gemacht wurden.

Von Nachteil ist jedoch, dass die Personen, die überhaupt nicht steuerpflichtig gewesen wären, sich das Geld mühsam über die Einkommensteuererklärung wieder zurückholen müssen. Oft genug bleibt dies aus. Dabei handelt es sich schnell um Beträge im dreistelligen Bereich, die zu viel gezahlt werden.

Welchen Freibetrag gibt es bei der Abgeltungssteuer?

Die Abgabe kennt überhaupt keinen Freibetrag. Allerdings können andere entsprechende Werte interessant sein: Die Steuer belastet Einkünfte und ist damit eigentlich eine gesonderte Einkommensteuer.

Wer mit den Kapitaleinkünften unter dem Grundfreibetrag von dem bleibt, was er jedes Jahr verdienen darf (2013: 8130 Euro), kann sich die Abgeltungssteuer komplett wieder zurückholen.

Abgeltungssteuer Freibetrag
Abgeltungsteuer und der Freibetrag

Zusätzlich gibt es den Sparerpauschbetrag: Alleinstehende dürfen jedes Jahr 801 Euro (Zusammenveranlagte Ehepaare also 1602 Euro) steuerfrei zum Zwecke der Vermögensbildung zurücklegen.

Wenn sich die Kapitaleinkünfte auf Sparzinsen beschränken und man den Pauschbetrag nicht überschreitet, kann man sich die Abgabe ebenfalls zurückerstatten lassen. In diesem Fall hat man sogar noch eine weitere Möglichkeit:

Man kann sich einen Nicht-Veranlagungsbescheid vom zuständigen Amt ausstellen lassen, der einem die Zahlung der Steuer gleich erspart.

Wie wird die Zahlung der Kirchensteuer im Zusammenhang mit der Abgeltungssteuer geregelt?

Abgeltungssteuer Kirchensteuer
Zusammenhang Abgeltungssteuer und Kirchensteuer

Dies ist ein heikles Thema, über das es seit der Einführung der neuen Abgabe zahlreiche Beschwerden gibt. Der beste, weil einfachste Weg ist es, der Bank oder dem Fonds zum

Jahresbeginn mitzuteilen, ob auch eine Kirchensteuer an das Finanzamt abgeführt werden soll oder nicht.

In der Regel muss die Information nur einmal weitergegeben werden und bleibt gespeichert. Hier sollte man sich jedoch rückversichern.

Dieser Schritt der Weitergabe der Information, ob die Abgabe für den Klerus zu überweisen ist, sollte vor allem dann unternommen werden, wenn man nicht zur Zahlung der Kirchensteuer verpflichtet ist.

Der Staat zieht diese zwar ein, aber wie es schon der Name verrät, ist der Empfänger an anderer Stelle zu suchen. Deshalb kann es sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, bevor zu viel gezahlte Kirchensteuer wieder auf dem eigenen Konto auftaucht.

Wie ist das Verhältnis zwischen Abgeltungssteuer und Kapitalertragsteuer?

Jede gezahlte Abgeltungsabgabe ist eine Kapitalertragsteuer, allerdings ist nicht jede Kapitalertragsteuer. Das Verhältnis ist vergleichbar mit dem zwischen Lohnsteuer und Einkommensteuer.

Die Kapitalertragsteuer ist eine Quellensteuer, die anfällt, sobald Einkünfte durch Kapital erzielt werden. Handelt es sich nicht um die klassische Abgeltungsabgabe, die zumeist anfällt, wird die Kapitalertragsteuer als steuerliche Vorauszahlung behandelt und muss als solche in der Einkommensteuererklärung auftauchen.

Wie ist das Verhältnis von Fonds und der Abgeltungssteuer?

Fonds zahlen ihre Renditen in aller Regel als Kapital aus. In der Folge fällt, so der Anleger nicht explizit anderes verlangt, die Abgeltungsabgabe an, um die Steuerschuld zu begleichen.

Ähnlich wie die Kirchensteuer, die auch direkt an der Quelle abgegriffen wird, überweist die Fondsgesellschaft die Abgabe an das zuständige Finanzamt. Der Anleger erhält nur seine Netto-Rendite.

Warum unterliegen manche thesaurierende Fonds nicht der Abgeltungssteuer?

Thesaurierende Fonds schütten ihre Erträge nicht direkt an ihre Anleger wieder aus, sondern legen das Geld sofort wieder an. Bei inländischen Fonds ist das steuerrechtlich nicht interessant, da der Staat trotzdem die Abgeltungsabgabe an der Quelle abgreifen kann.

Anders ist es bei ausländischen thesaurierenden Fonds. Diese können nicht nur Quellenbesteuerung gezwungen werden. Die Gesellschaft kann in der Folge die gesamten Erträge wieder anlegen.

Wünscht einer der Gesellschafter die Auszahlung seiner Erträge, fällt dann zwar die Steuer an - unter dem Strich gewinnt der Anleger aber trotzdem, da seine Einkünfte aufgrund der höheren Wiederanlage sehr viel größer ausgefallen sind.

Wie ist das Verhältnis zwischen ausschüttenden Fonds und der Abgeltungssteuer?

Ausschüttende Fonds geben die Erträge, die dem Fonds zugeflossen sind, an die Anleger weiter. Bevor dies passiert, ist von der Fondsgesellschaft die Abgeltungsabgabe zu bezahlen.

Interessant ist, ob nur die regulären, oder auch die außerordentlichen Erträge ausgeschüttet wird. Reguläre Erträge sind z.B.:

Das klassische Beispiel für außerordentliche Erträge sind die Gewinne, die aus dem Verkauf von Wertpapieren stammen. Werden auch diese ausgeschüttet, kann es passieren, dass die abgeltende Kapitalertragbesteuerung eigentlich zu hoch ausfällt. In diesem Fall macht es Sinn zu überprüfen, ob man nicht besser die reguläre Einkommensveranlagung wählen sollte, um seine Steuerschuld zu begleichen.

Wie ist das Verhältnis von Abgeltungssteuer und Aktien?

Abgeltungssteuer und Aktien
Aktien

Prinzipiell unterliegen Aktien, die mit Kursgewinn verkauft werden der Abgabe. Für Anleger, welche Wertpapiere schon geraume Zeit halten, greift allerdings eine Sonderregelung: Aktien, die vor dem 1.Januar 2009 gekauft worden sind, fallen noch unter das alte Steuerrecht.

Zudem sollte man auch an den Freibetrag in Höhe von 801 Euro denken. Sollte dieser bislang nicht überschritten worden sein, kann man sich die bereits gezahlte Steuer über die Steuererklärung nachlaufende wieder zurückerstatten lassen.

Wie wird die Abgeltungssteuer bei Aktiengewinnen bzw. Aktienverkäufen berücksichtigt?

Aktiengewinne bzw. Aktienverkäufe unterliegen stets der Abgabe. Insbesondere für an der Börse überaus aktive Personen ist dies von Vorteil, denn für sie fällt damit weitgehend keine Steuerpflicht an.

Da es sich um eine Quellensteuer handelt, muss die Bank, bei der man das Depot führt, sich um die Bezahlung kümmern.

Tipp: Man sollte nicht vergessen, die Bank darüber zu informieren, ob man zur Zahlung der Steuer an seine Kirche verpflichtet ist oder nicht. Diese wird die Information zwar selbst jährlich abfragen, aber wenn man beispielsweise im Juni aus der Kirche austritt, zahlt man für acht Monat zu viel Abgaben.

Wie ist das Verhältnis von Abgeltungssteuer und Lebensversicherung?

Wie erwähnt werden fondsgebundene Lebensversicherungen von der Abgabe befreit. Dies gilt ebenfalls, wenn die Police die folgenden Kriterien erfüllt:

  • Mindestlaufzeit von zwölf Jahren

  • Minimale Beitragszahldauer von fünf Jahren

  • Todesfallabsicherung von wenigstens 60 Prozent

Ein Wort der Warnung: Wird eine der Anforderungen nicht erfüllt oder nachlaufend verändert - z.B. durch eine vorzeitige Kündigung - wird die Abgeltungsabgabe nachträglich erhoben.

Wie ist die Abgeltungsabgabe in der Steuererklärung zu berücksichtigen?

Abgeltungssteuer Steuererklärung
Abgeltungssteuer in der Steuererklärung

Im Prinzip überhaupt nicht. Wenn die Abgabe entrichtet wurde, ist die Steuerschuld komplett beglichen.. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte allerdings die entsprechenden Nachweise, dass die Steuer bereits gezahlt wurde, als Anlagen zur Einkommensteuererklärung einreichen.

Wesentlich spannender ist die Frage, was passiert, wenn man keine Abgeltungsabgabe zahlen möchte. In diesem Fall müssen die Kapitalerträge als zusätzliche Einnahmen nachgewiesen werden und erhöhen die zu zahlende Einkommensteuer.

Welche Höhe hat die Abgeltungssteuer?

Folgendermaßen setzt sich die Steuerlast (Stand: April 2014) zusammen:

  • 25 Prozent für die Abgabe

  • 1,375 Prozent Solidaritätszuschlag - 5,5 Prozent von 25 Prozent

  • Optional 1,9608 Prozent Kirchensteuer - acht Prozent von 24,51 Prozent

  • Mindesthöhe der Steuer: 26,375 Prozent - Abgabe + Solidaritätszuschlag

Wie hoch ist die Abgeltungssteuer?

Die Höhe der Abgeltungssteuer beträgt 25 Prozent. Damit ist es allerdings noch nicht getan: Hinzu kommen die 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag sowie optional die Steuer für die Kirche.

Durchschnittlich bewegt sich die Steuerlast, die mit dieser Abgabe im direkten Zusammenhang steht, bei mehr als 28 Prozent.

Wie kann man die Abgeltungssteuer umgehen?

Bei Kapitalerträgen, die Deutsche erwirtschafteten, bzw. die auf ein deutsches Konto fließen, kann man die Abgeltungsabgabe praktisch nicht umgehen bzw. vermeiden. Der Staat holt sich das Geld von der Quelle. Es bleiben nur zwei Möglichkeiten:

  • Alle Kapitalgeschäfte komplett im Ausland abwickeln - dies ist juristisch ein extremer Drahtseilakt

  • In Projekte investieren, die nicht der Steuer unterliegen

Folgende Geldanlagen sind von der Abgabe befreit:

  • Fondsgebundene Lebens- bzw. Rentenversicherungen

  • Riester- und Rüruprente

  • Geschlossene Fonds sowie entsprechende Beteiligungen

  • Immobilienfonds mit einem sehr hohen Auslandsanteil

Welchen Sinn macht die Verwendung von einem Rechner für die Abgeltungssteuer?

Es ist kaum eine Abgabe so schwierig die Abgeltungssteuer zu berechnen. Hier können spezialisierte Rechner helfen, die verhindern, dass man über seinem Taschenrechner und den Belegen einen Nervenzusammenbruch erleidet.

Sinn macht die Berechnung in zwei Momenten:

  • Erstens: Wenn man vermutet, dass man unter dem Grundfreibetrag bleibt und deshalb die zu viel gezahlte Abgabe wieder zurückholen möchte

  • Zweitens: Wenn man vermutet, dass die Zahlung der Abgeltungssteuer nicht die ideale Art für einen selbst ist, der Abgabeverpflichtung nachzukommen
Abgeltungssteuer Rechner
Lohnt ein Abgeltungssteuer Rechner?

Der Gesetzgeber stellt es frei, auch die klassische Kapitalertragssteuer zu bezahlen. Man besorgt sich eine Nicht-Veranlagung und summiert die Kapitalerträge und die sonstigen Einkünfte.

Anschließend bezahlt man auf diesen Betrag insgesamt seine Einkommensteuer. Sind die Kapitaleinkünfte sehr klein und hat man auch ansonsten kein hohes Einkommen, ist diese Variante unter dem Strich finanziell günstiger, allerdings auch erheblich aufwendiger.

Wer viel verdient, ist mit der Abgeltungssteuer zumeist ideal bedient.

Der Rechner hilft dabei, die passende Entscheidung darüber zu treffen, welche der beiden Varianten besser ist. Grundsätzlich gilt: Beträgt das eigene Brutto-Einkommen ohne Kapitaleinkünfte 30.000 Euro pro Jahr oder mehr, so fährt man mit der Abgeltungssteuer besser.

Wie lautet die Art der Berechnung der Abgeltungssteuer?

Die Berechnung ist relativ simpel: Der Steuersatz beträgt 25 Prozent. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag in Höhe von 0,99 Prozent und optional der Steuersatz für die Kirche, die in den meisten Bundesländern eine Höhe von neun Prozent hat.

Als Beispiel: Man hat Kapitalerträge in Höhe von 3000 Euro erwirtschaftet: Es verbleiben nach Steuern 2384,40 Euro.

Art der AbgabeHöhe der Abgabe in Euro
Abgeltungssteuer537,65
Solidaritätszuschlag29,57
Kirchen Steuer48,38