15:30, 10.06.2011
[dpa-AFX]

dpa-AFX Überblick: UNTERNEHMEN vom 10.06.2011 - 15.30 Uhr

Unklarheit über Interessenten für Nokia Siemens Networks

HELSINKI/LONDON - Der Verkaufsprozess für den verlustreichen Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) bleibt zäh. Laut "Financial Times"(Freitag) sind die US-Finanzinvestoren KKR und TPG aus dem Bieterrennen ausgestiegen. Damit gebe es mit dem Investorenkonsortium aus Gores Group und Platinum Equity nur noch einen Interessenten für das Gemeinschaftsunternehmen des finnischen Handyherstellers und des deutschen Elektronikkonzerns. Dieser Darstellung widersprach ein Nokia-Sprecher im "Wall Street Journal" (Freitag). Es würden zur Zeit "konstruktive Gespräche" mit mehreren Bietern geführt. Nach monatelanger Sondierung hätten sich KKR und TPG nicht auf ein gemeinsames Gebot verständigen können, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf mehrere Quellen. Angesichts der schwachen Ertragslage und des weiteren Umstrukturierungsbedarfs bei dem Telekomausrüster zieht sich der Verkaufsprozess seit langem hin. Am Markt herrscht ohnehin Skepsis, ob es angesichts einer Preisforderung von angeblich mehreren Milliarden Dollar wirklich zum Verkauf kommt. Analysten machen laut "FT" vor allem Nokia für den schleppenden Fortgang verantwortlich. Der Handyhersteller hat auch in seinem Hauptgeschäft große Schwierigkeiten und könne sich daher kaum um NSN kümmern.

Neuer Bestechungsfall beschmutzt Siemens

MÜNCHEN - Ein sauberes Image zur sauberen, umweltfreundlichen Technik seiner Produkte - so würde Siemens-Chef Peter Löscher seinen Konzern gerne der Öffentlichkeit präsentieren. Dafür hatte man ihn schließlich nach dem Auffliegen des Schmiergeldskandals als ersten externen Vorstandschef in die Münchner Konzernzentrale geholt. Doch die saubere Weste ist offenbar nicht für jeden der gut 400.000 Mitarbeiter maßgeschneidert. Keine fünf Jahre nach dem letzten Skandal ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut wegen Bestechungsvorwürfen. Sie ließ Manager verhaften. Der Fall spielt diesmal in Kuwait. Das Emirat investiert derzeit Hunderte Millionen in den Ausbau seiner Stromversorgung. Auch Siemens hat bereits mehrere Aufträge erhalten, zum Beispiel zum Bau neuer Umspannwerke und zur Modernisierung bestehender Anlagen. Ein Siemens-Sprecher bestätigte am Freitag in München einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach drei Manager beschuldigt werden, sie hätten dort mit Bestechungszahlungen an ranghohe Ministeriumsmitglieder die Vergabe von weiteren Aufträgen beeinflussen wollen.

Opelaner zittern weiter - Merkel fordert Klarheit

RÜSSELSHEIM/DETROIT/BERLIN - Die Zukunft des verlustreichen Autobauers Opel ist nach den Verkaufsgerüchten weiter unklar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte den US-Autokonzern General Motors am Freitag auf, Klarheit über die Zukunft seiner deutschen Tochter zu schaffen. Gerüchte über einen möglichen Verkauf, die die Opel-Beschäftigten verunsicherten, sollten bald aus der Welt kommen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. GM hielt sich jedoch weiterhin bedeckt. "Wir kommentieren das Thema nicht weiter", sagte ein Sprecher am Freitag. General Motors ist unzufrieden mit den anhaltenden Verlusten bei Opel. Am Vortag, als Medienberichte über mögliche Verkaufspläne die Opelaner aufgeschreckt hatten, hatte GM von "reinen Spekulationen" gesprochen. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz kritisierte daraufhin, dass die GM-Zentrale in Detroit die Berichte nicht klar zurückweise.

Meyer Burger lässt sich bei Roth & Rau-Übernahme Zeit

MÜNCHEN - Der Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger will sich bei der geplanten Übernahme des sächsischen Anlagenbauers Roth & Rau nicht unter Druck setzen lassen. "Wir haben Zeit. Wir haben einen Meilenstein erzielt mit den 32,4 Prozent, damit sind wir außerhalb des Pflichtangebotbereichs", sagte Meyer-Burger-Chef Peter Pauli am Rande der Messe Intersolar in München im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Nach Ablauf der ersten Übernahmefrist gibt es eine Verlängerung bis zum 22. Juni. Eine Andienungsquote von unter 30 Prozent hätte ein neues Angebot erfordert, darüber ist das nicht nötig. "Wenn der eine oder andere Hedgefonds sich entscheidet, dass er doch veräußern will, kann er das noch tun. Das kann uns dann recht schnell über 50 Prozent bringen", sagte Pauli. "Wenn das nicht der Fall ist, dann geht es halt etwas langsamer über den Markt, aber wir halten an den Grundzielen fest." Diese sind, mindestens 50 plus eine Aktie zu erhalten. Zuletzt hatte ein Großaktionär, die zypriotische Finanzholding KLK, einen deutlich höheren Preis gefordert und mit einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht. "Ein höherer Preis ist nicht drin, das Angebot ist fair. Wir lassen uns nicht bedrängen", betonte Pauli erneut.

Lufthansa legt im Mai deutlich zu - Mehr Passagiere und Fracht

FRANKFURT - Die Lufthansa hat im Mai dank einer starken Nachfrage und zusätzlicher Flüge erneut deutlich zugelegt. Zusammen mit ihren Töchtern Swiss, Austrian Airlines (AUA), British Midland (BMI) und Germanwings kam Europas größte Fluggesellschaft auf 9,7 Millionen Passagiere, 7,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Maschinen ging jedoch um 1,3 Prozentpunkte zurück, weil sich nicht für jedes zusätzlich angebotene Ticket ein Abnehmer fand. Mit den Fluglinien unter der Marke Lufthansa waren 6 Millionen Menschen unterwegs, ein Plus von 11,3 Prozent, wie der Dax-Konzern am Freitag in Frankfurt mitteilte. Die Ableger BMI und Germanwings mussten hingegen Rückgänge hinnehmen.

Bundeskartellamt stellt bei Telekom Verfahren wegen Kartellvorwürfen ein

BONN - Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen die Deutsche Telekom eingestellt. Die Behörde sehe keinen Anlass, weiter zu ermitteln, teilte der Konzern am Freitag in Bonn mit. Das Magazin "Wirtschaftswoche" hatte Ende Oktober berichtet, dass die Telekom ein Vertriebskartell mit den Konkurrenten Freenet und Debitel gebildet habe. Dafür wären Vorstände und Top-Managern verantwortlich gewesen. Daraufhin hatte sich die Behörde mit dem Fall befasst. Die Telekom hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Wincor Nixdorf stärkt mit Übernahme Position bei Software in Wachstumsmärkten

PADERBORN/MADRID - Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf stärkt sein Softwaregeschäft in Lateinamerika und Spanien mit einer Übernahme. Mit dem Kauf der Dynasty Technology Group (Madrid) erschließe sich der Konzern zusätzliches Wachstumspotenzial im Software-Bereich sowie beim globalen Ausbau seiner Position als Anbieter umfassender IT-Lösungen, teilte der Konzern am Freitag mit. Dynasty Technology sei auf Software und damit verbundenen komplexe Dienstleistungen wie IT-Integrations- und Anpassungsleistungen für Retailbanken vor allem in den Wachstumsmärkten Lateinamerika und Spanien spezialisiert. Die Gesellschaft habe rund 70 Mitarbeiter. Retailbanken in Spanien und Lateinamerika könnten somit künftig auf umfassendere Leistungen aus einer Hand zurückgreifen. Finanzielle Details wurden nicht genannt.


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