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APA ots news: WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Den Börsen geht der Treibstoff aus - von Jochen Hahn
Die Liquidität entscheidet über die Richtung an den Märkten
Wien (APA-ots) - Es geht wieder abwärts. Wie so oft, pünktlich ab
Mitte Mai, wird das saisonale Muster schlagend und die Weisheit "Sell
in May" bewahrheitet sich. Statistisch gesehen ist die Zeit zwischen
Mai und Oktober an den Börsen regelmäßig schwächer als die
Jahreshälfte von November bis April. Darauf sollten Sie sich auch
heuer einstellen.
Fundamentale Gründe für eine Korrektur lassen sich ganz unabhängig
von der Jahreszeit zuhauf finden. Zwar sind sie nicht neu, aber in
geballter Form wie derzeit, wohnt ihnen allemal die negative Kraft
für einen Crash inne. Da wäre z. B. die Euro-Schuldenkrise. Dass
demnächst eine Umschuldung Griechenlands unausweichlich ist, hat
mittlerweile der größte Optimist verstanden. Und dass die
Schuldenspirale bei Griechenland, Irland und Portugal stoppt, ist
sehr unwahrscheinlich. Neu im Club der Problemstaaten befindet sich
seit dem Wochenende Italien. Die Rating-Agentur S&P; hat den
Optimismus bezüglich unseres südlichen Nachbarn verloren und den
Ausblick auf "Negativ" gesenkt. Wir wissen - so beginnt es immer.
Ein weiteres Problemfeld ist der Rohstoffmarkt. Seit Monaten laufen
die Preise von Öl und Co. der tatsächlichen Nachfragesituation davon.
Das Überangebot an Liquidität sorgte bei Commodities jeglicher
Kategorie für steigende Preise. Genau in diesem Bereich hat die
Risikoaversion kurz nach der Finanzkrise wieder rasant abgenommen.
Der Megatrend des Rohstoffhungers der Emerging Markets wiegt Händler
in Sicherheit. Die Diagnose einer Blasenbildung wurde von
Marktexperten nicht nur einmal abgegeben.
Parallel dazu wertete der US-Dollar als aktuelle Carry Trade-Währung
Nummer eins laufend ab. Diese Entwicklung hat nun vorerst ein Ende.
Die meisten Assetklassen gehen auf Tauchstation und der Dollar
steigt. Genau darin liegt der Schlüssel für die zukünftige
Entwicklung an Börsen und Rohstoffmärkten. Denn die US-Währung ist
gerade dabei, das Auslaufen des Anleihenkaufprogramms der
US-Notenbank (QE2) einzupreisen. Ende Juni dreht Fed-Chef Ben
Bernanke den Liquiditätshahn ab und denkt sodann wohl noch lauter
über Zinsanhebungen nach.
Fraglich ist allerdings, wie ernst es Bernanke meint. Denn ein
selbsttragender Aufschwung ist in den USA nicht in Sicht. Daher
dürfte bald ein Umdenken stattfinden und Richtung Herbst eine neue
Version des Anleihenkaufprogramms starten (QE3). Das wäre zwar
langfristig eine Katastrophe, denn dadurch würde eine Lösung der
strukturellen Probleme nur weiter verschleppt. In das saisonale
Muster würde es aber passen, denn neue Liquidität bedeutet steigende
Kurse.
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OTS0234 2011-05-23/18:15
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