16:52, 10.06.2011
[dpa-AFX]

ROUNDUP: IWF-Kandidatin Lagarde droht weiter Ermittlungsverfahren

PARIS (dpa-AFX) - Die europäische IWF-Kandidatin und französische Finanzministerin Christine Lagarde wird noch mindestens einen Monat lang mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs konfrontiert sein. Der Pariser Gerichtshof der Republik (CJR) teilte am Freitag mit, erst am 8. Juli über ein mögliches Ermittlungsverfahren gegen die 55-Jährige zu entscheiden. Dann soll der Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) eigentlich bereits vergeben sein.

Hintergrund des Justizfalls ist der Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas durch den schillernden französischen Geschäftsmann Bernard Tapie Anfang der 90er Jahre. Ein hochrangiger Staatsanwalt verdächtigt Lagarde des Amtsmissbrauchs, weil sie in einem Rechtsstreit mit Tapie 2008 einem Schiedsurteil zustimmte, das diesem eine Abfindung in Höhe von 285 Millionen Euro einbrachte.

Tapie hatte Adidas 1990 von der Gründerfamilie Dassler erworben. 1992 beauftragte er eine Filiale seiner Hausbank Crédit Lyonnais mit dem Verkauf seiner Anteile. Die Bank war allerdings insgeheim an der Käufergruppe beteiligt und machte mit dem Weiterverkauf 1994 einen Gewinn von 229 Millionen Euro. Die Richter werteten das nach 15-jährigem Rechtsstreit als Vertrauensbruch der Bank gegenüber Tapie.

Die ungewöhnliche hohe Entschädigung für den früheren Adidas-Chef schlug hohe Wellen. Nun könnte Lagarde wegen der Zustimmung zum Schiedsgerichtsurteil ein Prozess wegen Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder drohen. Lagarde hatte allerdings bereits im Mai erklärt, ihre Kandidatur auch im Falle von Ermittlungen gegen sie aufrechtzuerhalten.

Die Französin gilt als Favoritin im Kampf um die Nachfolge des wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Dominique Strauss-Kahn. Nach einem ungeschriebenen Gesetz wird der IWF von einem Europäer geführt, die Weltbank als Schwesterorganisation auf der gegenüberliegenden Straßenseite hingegen von einem Amerikaner. Bis zum 30. Juni soll die Entscheidung unter Dach und Fach sein.

Am Freitag kündigten auch die afrikanischen Staaten an, die Bewerbung Lagardes zu unterstützen. Das gab die Wirtschaftsministerin von Guinea-Bissau, Helena Embaló, nach einem Treffen mit Lagarde in Lissabon im Gespräch mit der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa bekannt. Das Ende der Bewerbungsfrist war auf diesen Freitag festgesetzt worden.

Mehr News

17:07
17:06
16:56
16:54
16:51
16:46
16:22
16:13
16:02
15:50
15:15
15:07
15:00
14:58
14:50
14:38
14:35
14:29
14:22
14:17
14:02
14:01
13:48
13:46
13:46
13:45
13:43
13:42
13:36
13:33
13:30