16:54, 29.04.2011
[dpa-AFX]

AKTIE IM FOKUS 3: Daimler sehr schwach nach Zahlen - Einige kritische Studien

(Neu: aktueller Kurs, Kommentare der NordLB und von Credit Suisse)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Daimler-Aktien haben am Freitag nach Quartalszahlen spürbar nachgegeben. Börsianer und Analysten reagierten unterschiedlich auf den Geschäftsbericht des Stuttgarter Autobauers. Während einige die Zahlen als besser als erwartet bezeichneten, mahnten andere Händler zur Vorsicht, da die Zahlen lediglich die Erwartungen erfüllt hätten.

Gegen 16.45 Uhr büßten die Titel 2,15 Prozent auf 51,950 Euro ein und waren damit Schlusslicht im Dax . Der deutsche Leitindex gewann zugleich 0,46 Prozent auf 7.509,88 Punkte. Den Papieren von BMW und Volkswagen dagegen gelang im Handelsverlauf der Sprung ins Plus. BMW rückten vor Bekanntgabe eigener Zahlen in der kommenden Woche um 0,59 Prozent vor, VW gewannen an der Dax-Spitze 1,34 Prozent.

METZLER-ANALYST VERMISST DYNAMIK

Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler vermisste eine gewisse Dynamik bei Daimler, wie sie zuletzt etwa beim Konkurrenten VW zu erkennen gewesen sei. Zwar seien die Zahlen an sich okay, aber während VW im ersten Quartal, verglichen mit dem Vorquartal, nochmals eine deutliche Dynamik habe aufweisen können, sei dies bei Daimler nicht zu erkennen gewesen.

Analyst Daniel Schwarz von der Commerzbank, der die Aktie auf "Buy" mit einem Kursziel von 68,00 Euro beließ, zielte vor allem auf die Entwicklung der einzelnen Sparten ab. Die Bussparte habe schlechter als erwartet abgeschnitten, der Auftragseingang im Lkw-Geschäft habe ihn indes positiv überrascht, kommentierte er. Der Free Cashflow habe zudem eher unter seiner Prognose gelegen.

Positiver äußerte sich DZ Bank-Analyst Michael Punzet, denn er hatte weniger erwartet. Er rechnet mit einer weiteren Erholung der weltweiten Lkw-Märkte und empfiehlt die Aktien weiterhin zum Kauf. Laut Analyst Tim Schuldt von Equinet waren die Quartalszahlen "exzellent", lagen aber im Rahmen der Erwartungen. Insgesamt sei es ein gutes Quartal für den Autobauer gewesen. Gleichzeitig werde aber auch deutlich, dass es für die Konzerne immer schwerer werde, positiv zu überraschen, da die Erwartungen bereits sehr hoch seien. "Daimler war so stark wie erwartet", kommentierte auch Cheuvreux-Experte Alexander Neuberger. Die Zahlen untermauerten die Glaubwürdigkeit des Managements, gesteckte Ziele erreichen zu können.

NORDLB: ZIELE 'ABSOLUT NICHT ERREICHBAR'

Adam Hull von der WestLB äußerte sich ebenfalls positiv, während Analyst Frank Schwope von der NordLB in seiner Studie titelte: "Starke Zahlen, fragwürdige Ziele". Konkret schrieb er: "Die vom Vorstand im Februar ausgegebenen Ziele einer nachhaltigen Umsatzrendite von neun Prozent, bei Pkw von zehn Prozent, halten wir angesichts branchenüblicher, wiederkehrender Krisen und Unternehmensschwächen dauerhaft für absolut nicht erreichbar." Er bestätigte das Papier dennoch mit "Kaufen" und setzte das Kursziel von 67,00 auf 70,00 Euro hoch, da er von einer sich weiterhin positiv entwickelnden Konjunktur ausgeht. Außerdem liege der gegenwärtige Kurs der Aktie noch deutlich unterhalb des Vorkrisen-Hochs von mehr als 75,00 Euro und seither habe der Konzern verschiedene Aufräumarbeiten erledigt.

Credit-Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst hingegen senkte im Anschluss an die Zahlen sein Kursziel von 65,00 auf 60,00 Euro. Er nannte die Ergebnisse enttäuschend und reduzierte seine Gewinnprognosen, um den hohen Rohstoffkosten und Wechselkursbelastungen Rechnung zu tragen. Die Konglomeratsstruktur des Autokonzerns habe erneut zu negativen Überraschungen geführt. Daher sollte Daimler die komplexen Strukturen, die auch die Kursentwicklung behinderten, verschlanken.

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