Der Handel mit Aktien oder anderen Finanzmitteln ist regelmäßigen Schwankungen unterworfen, die mal stärker oder schwächer ausfallen können.

Jede Bewegung wird von Finanzfachleuten mit einer bestimmten Bezeichnung versehen, durch die jedem Anleger mit etwas Grundwissen sofort klar ist, wovon gesprochen wird. So ist es auch mit dem Begriff Baisse.

Baisse - Definition des Begriffs

baisse

Mit dieser Bezeichnung sind längere Zeiträume gemeint, in denen die Kurse an den Börsen der Welt stark sinken.

Der synonym verwendete Begriff für eine solche Phase ist der so genannte Bärenmarkt. Anleger oder Händler, die mit dem Einsetzen lange sinkender Kurse rechnen, werden als Baissers bezeichnet. Eine Baisse ist nicht vorherzusagen, zeichnet sich aber meist durch bestimmte Vorgänge an den Börsen ab.

Vorzeichen für eine Baisse:

  • die Kurse sinken über einen längeren Zeitraum hinweg
  • durch Verkäufe wird die Abwärtsbewegung verstärkt
  • es gibt weniger Ankäufe von Aktien und weniger Fondsanteile werden gekauft

Beginnt eine solche Phase an den Börsen, zeichnen die Marktteilnehmer ein eher pessimistisches Bild von der Zukunft. Sie erwarten Verluste sowie Wertminderungen bei den börsennotierten Unternehmen.

  • Jeder klassische Börsenzyklus besteht aus einer Baisse sowie einer Hausse. Aufgrund ihrer pessimistischen Haltung verkaufen viele Anleger beim ersten Anzeichen oder auch noch während einer Phase sinkender Kurse ihre Aktien und hoffen, nicht zuviel Verlust zu erleiden.

Herkunft des Wortes Baisse

Aus dem spätlateinischem Verb „bassiare“ (zu Deutsch „senken“) beziehungsweise dem spätlateinischen Adjektiv „bassus“ (zu Deutsch „niedrig“) entwickelte sich im 18. Jahrhundert das französische Wort „baisse“. Es wird je nach Kontext mit „Rückgang“, „Sinken“, „Schwinden“, „Einbuße“, „zurückgehen“, „fallen“, „Abwärtsbewegung“ oder „Abfall“ übersetzt. Im 19. Jahrhundert entstand der heutige Fachbegriff, der den speziellen Vorgang in der Finanzwelt beschreibt.

Baisse – Synonyme und ähnliche deutsche Begrifflichkeiten

Andere Umschreibungen oder damit im Zusammenhang genannte Begriffe sind:

  • Bärenmarkt
  • Börsenbaisse
  • Abschwung
  • Kurseinbruch
  • fallende Kurse
  • Konjunktureinbruch
  • Konjunkturflaute
  • Kursabfall
  • Kurssturz
  • Preissturz
  • Kursverfall

Gegenteil der Baisse: Die Hausse

Der bekannte Pädagoge Comenius prägte den Spruch: „Eine Sache lehren bedeutet fast nichts anderes, als der Dinge Unterschied …darlegen…Folgerung: Wer gut unterscheidet, lehrt gut.“

Im Sinne obigen Zitats von Comenius zeichnet sich genaues Verständnis durch das Wissen aus, Dinge voneinander abgrenzen zu können. Deswegen lohnt sich ein Blick auf das Antonym mit gegenteiliger Bedeutung: Die Haisse. Dieses Wort hat seinen Ursprung ebenfalls im Spätlateinischem: Das Adjektiv „altus“ bedeutet so viel wie „hoch“. Mit der Zeit entstand daraus in der französischen Sprache das Wort „hausse“, das heute mit „Anhebung“, „Steigerung“, „Anstieg“, „Anziehen“, „Aufwärtsbewegung“ wiedergegeben wird. Hausse ist in gleicher Weise zu einem gegenwärtigen Fachausdruck der Finanzwelt geworden.

Beispiele für eine Baisse

Seit dem beginnenden 20. Jahrhundertgab es drei große Phasen sinkender Aktienkurse. Die erste fand nach der bekannten Weltwirtschaftskrise (bekannt als schwarzer Freitag) im Jahre 1929 statt.

Die Kurseinbrüche in dieser Krise machten viele Marktteilnehmer von wohlhabenden Menschen zu bitterarmen Personen. Die zweite Baisse gab es in den 1970-er Jahren. Ursächlich für den Niedergang der Börsenkurse war vor allem die Ölkrise in dieser Zeit. Durch die Immobilien- und Finanzkrise im Jahre 2008 wurde schließlich die bisher letzte Baisse ausgelöst.

  • Die Verantwortung für diese letzte Baisse lag hauptsächlich bei den Banken, die mit niedrigen Zinsen eine Immobilienblase verursachten, die letztlich platzte.

Wie übersteht man als Anleger eine Baisse?

Die wichtigste Eigenschaft, die ein Anleger während einer solchen Phase benötigt, ist Geduld.

Zunächst sollte man als Investor den Markt beobachten und erst handeln, wenn der richtige Zeitpunkt für einen Kauf oder Verkauf gekommen ist. Um aber das richtige Timing zu haben, ist großes Gespür für die Vorgänge an den Börsen notwendig.

Sinnvoll ist es zudem, wenn man sich nicht von der Panik anderer mitreißen lässt. Dadurch kann man schnell in die Bärenfalle tappen und viel Geld durch überhastete und unüberlegte Transaktionen verlieren. Wer es klug anstellt, kann sogar große Gewinnen machen.

Auf Baisse spekulieren - vom Unwahrscheinlichen profitieren

Der sogenannte Baissier bezeichnet einen Spekulanten am Börsenmarkt. Genauer gesagt spekuliert dieser auf einen Kurseinbruch (im Gegensatz zum Haussier) bestimmter Aktienkurse oder Waren. Die Grundeinstellung zum Spekulieren wird von Experten oft als Temperamentsache angesehen. Ökonomen unterscheiden gerne zwischen unprofessionellen Spekulanten und solchen, die sich durch erhöhtes Fachwissen auszeichnen. Insgesamt charakterisiert die Gruppe eine hohe Risikobereitschaft. Geht der Plan auf, rechnen sich die Baissiers hohe Gewinne aus.

Die Idee dahinter: Der risikofreudige Spekulant agiert gegen den offensichtlichen aktuellen Markttrend. Oft spielt der Verzicht eine wesentliche Rolle. Geplante Passivität mit späterer Intervention machen solche Termingeschäfte aus.

  • Aus biblischer Zeit: Gemäß dem Bibelbericht sah der Hebräer Joseph eine kommende Hungersnot voraus. Der im Dienste der ägyptischen Regierung stehende Joseph teilte seine visionären Erkenntnisse dem Pharao mit. Mit allen Vollmachten ausgestattet wurde er zu einer staatlich organisierten Aktion autorisiert: Die Weltmacht Ägypten legte Vorratshäuser an, die mit Getreide gefüllt wurden. Ein in Zeiten des Überflusses scheinbar unnötiges Unterfangen. Als nach Jahren tatsächlich eine Hungernot eintrat, wurden umliegende Völker ausgezehrt. Das Reich Ägypten stand hingegen mit gefüllten Kammern dar. Der unschwer erkennbare Schluss ist, dass die Ägypter nun als die großen Profiteure einer Wirtschaftskrise dastanden. Möglich wurde dieses eben durch das richtige Timing und Weitsicht.

Quellen

Liefke, Oliver: Fondsbetas in der Baisse: Eine empirische Analyse »
Zschaber, Markus C.: Der Börse voraus: überlegene Strategien für dauerhaften Erfolg an der Börse »
Kaderli, Rudolph J.: Das Geheimnis der Börse: Die Anlagestrategie: Das Handbuch des Investors »
Köbler, Gerhard: Deutsches Etymologisches Wörterbuch,1995 »
Köbler, Gerhard: Deutsches Etymologisches Wörterbuch,1995 »
Zimmermann, Heinz: Der Spekulant »
Zimmermann, Heinz: Josef und die Spekulanten »