Bei einem Leerverkauf bestimmt man einen Termin in der Zukunft, an dem ein Wertpapier zu einem festgelegten Preis verkauft wird, ohne dass man das Papier zum Zeitpunkt der Festlegung des Verkaufstermins schon besitzt.

Die Tätigung von Leerverkäufen wird auch als "short gehen" bezeichnet.

Ein Leerverkauf kann beispielsweise mit Aktien durchgeführt werden. Hierfür leiht sich ein Hedge Fonds von einer Bank eine große Anzahl an Aktien. Anschließend werden diese Aktien auf einen Schlag an der Börse verkauft. So entsteht ein Überangebot. Dieses Überangebot lässt die Kurse sinken.

Markteilnehmer, die die Hintergründe für das Überangebot nicht kennen, sehen nur den sinkenden Kurs und befürchten natürlich einen Verlust für die eigenen Aktien. So kommt es zu vermehrten Verkäufen der Aktien durch andere Marktteilnehmer. In der Folge stürzen die Kurse vollständig ab. Der Hedge Fonds beginnt nun, die Aktien zurückzukaufen - natürlich zu einem sehr geringen Kurs. Die Differenz zwischen dem teureren ursprünglichen Verkaufskurs und dem ungleich günstigerem Rückkaufkurs ist dann der Gewinn des Hedge Fonds.

Aufgrund solch aggressiv wirkender Strategien wie Leerverkäufen sind Hedge Fonds übrigens mehr in der Kritik als Investmentfonds.

Gedeckte und ungedeckte Leerverkäufe

leerverkaeufe

Man unterscheidet zwischen

  • gedeckten Leerverkäufen und
  • ungedeckte Leerverkäufen.

Die ungedeckten Leerverkäufe werden auch als "nackte" Leerverkäufe bezeichnet. Gedeckt ist ein Leerverkauf dann, wenn der Spekulant tatsächlich über die Aktien verfügt. Ungedeckt oder eben "nackt" ist ein Leerverkauf, wenn der Spekulant die Aktien verkauft und wieder zurückkauft, ohne sie zu besitzen oder ohne dass es die Aktien wirklich gibt. Für diese ungedeckten Leerverkäufe leiht sich der Spekulant - wie der Hedge Fonds im obigen Beispiel - die Aktien gegen eine meist nicht unerhebliche Leihgebühr.

Der "Erfinder" der Leerverkäufe

Leihverkäufe haben übrigens eine lange Tradition. Der Erfinder war der niederländische Kaufmann Isaac Le Maire.

Im Jahr 1602 investierte er eine Summe von 85.000 Gulden in die niederländische Ostindien-Kompanie. Sieben Jahre später verkaufte er seine Anteile wieder, als die Geschäfte der Ostindien-Kompanie stagnierten und die Gesellschaft keine Dividenden an die Anleger mehr ausschütten konnte. Le Maire konnte mehr Anteile verkaufen als er je besessen hatte. Die niederländischen Behörden fanden diese Leerverkäufe jedoch unmoralisch und verboten sie zunächst.

Leerverkäufe in der Finanzkrise

In den Niederlanden wurden die Leerverkäufe schon wenige Jahre nach ihrem Verbot wieder zugelassen. Auch in der heutigen Zeit steht das "short gehen" immer wieder in der Kritik und gerade nach der Finanzkrise wurden ungedeckte Leerverkäufe in verschiedenen Ländern mehrfach verboten.

So wurden 2011 Verbote für ungedeckte Leerverkäufe erlassen in

  • Griechenland
  • Frankreich
  • Italien
  • Spanien und
  • Belgien.


Quellen

Dengl, G.: Leerverkäufe: Wie gefährlich sind sie wirklich?
Paturi, Felix R.: Das Lexikon der dämlichsten Erfindungen.